Die Projekte sollten
Modellcharakter und mögliche Vorbildfunktion für andere Einrichtungen und Initiativen besitzen und/oder
erfolgreich erprobte Ansätze aus den bisherigen EXIST-Netzwerken oder ähnlichen Initiativen übernehmen und anwenden. Oder auch
die praktische Umsetzung neuer Erkenntnisse der Gründungsforschung zum Gegenstand haben.
Das Exist III-Projekt der Stiftungsprofessur für Entrepreneurship, Universität Oldenburg
Beschaulich und ländlich ist der äußerste Nordwesten Deutschlands, da, wo sich Weser und Ems langsam aber sicher der Nordseeküste nähern. Ein flaches, grünes, weites Land, in dem Arbeit nicht leicht zu finden ist. Daher unterstützen Kommunen, Kammern, Unternehmer/innen, regionale Bündnisse und natürlich auch die drei regionalen Hochschulen schon seit Jahren Gründungen auf vielfältige Weise. Diese verschiedenen Angebote für Gründerinnen und Gründer aufeinander abzustimmen und zu einer Gesamtstrategie zu entwickeln, dieses Ziel hat sich nun die Carl von Ossietzky-Universität in Oldenburg mit ihrem EXIST III-Projekt gesetzt.
„Es ist uns hier in der Region allen bewusst, dass Unternehmensgründungen einen entscheidenden Beitrag dazu leisten, unsere Wirtschaft wieder auf Vordermann zu bringen. Und dieses Bewusstsein erklärt auch das unglaubliche Engagement, das Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft dafür an den Tag legen.“ Professor Alexander Nicolai ist begeistert, wenn er von den vielen Gründungsaktivitäten hier in der Region berichtet. Er selbst ist Inhaber einer Stiftungsprofessur, die der Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg von der regionalen Wirtschaft gestiftet wurde.
Dieser Stiftungsprofessur ist seit Beginn dieses Jahres das EXIST III-Projektbüro angegliedert: eine wichtige Voraussetzung dafür, die hiesigen Gründungsaktivitäten und das gute Gründungsklima noch weiter zu verbessern. Warum das trotz des vorhandenen ausgeprägten Engagements notwendig ist, erklärt Professor Nicolai so: „Zunächst einmal ist der Bedarf groß: Die meisten Studierenden kommen aus der Region. Und viele wünschen sich hier auch eine berufliche Zukunft. Dazu können innovative Gründungen einen wichtigen Beitrag leisten. Ein anderer Punkt ist, dass trotz der vielen Aktivitäten das technologische Potenzial noch nicht ausgeschöpft ist. Mehr noch als bisher müssen wir daher versuchen, erworbenes Wissen wirtschaftlich zu verwerten.“ Daher steht sowohl bei der Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg als auch bei der Hochschule Vechta und der Fachhochschule Oldenburg – Ostfriesland – Wilhelmshaven die Entrepreneurship-Förderung ganz oben auf der Agenda.
Dabei soll das EXIST III-Projektbüro nicht nur die Gründungen aus den Hochschulen beflügeln. Es wird sich darüber hinaus auch mit den Gründungsaktivitäten in der Region insgesamt beschäftigen, betont Professor Nicolai: „Das Angebot an Veranstaltungen, Beratungsleistungen, Gründertagen, Messen usw. ist sehr vielfältig. Und zwar so vielfältig, dass sowohl die Akteure als auch die Gründerinnen und Gründern nicht selten ‚den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehen’. Außerdem führen die vielen Parallelveranstaltungen einfach zu Reibungsverlusten. Wir könnten viel effizienter arbeiten, wenn wir alle Angebote aufeinander abstimmen würden.“
EXIST III-Projektbüro übernimmt Koordination
Diese Abstimmung ist zukünftig Aufgabe des EXIST III-Projektbüros. Hier sollen alle Fäden zusammenlaufen. Dabei haben die Projektmitarbeiter/innen vor allem drei Aufgaben zu bewältigen:
- bestehende Entrepreneurship-Aktivitäten in der Region, insbesondere an den drei Hochschulen, systematisch erfassen und bündeln;
- nationales und internationales Erfahrungs- und Forschungswissen zusammentragen und sowohl regionalen als auch bundesweiten Interessenten zur Verfügung stellen;
- eine regionale Gesamtstrategie für die Gründerregion Nordwest entwickeln;
Für diese Arbeit wird dem Team auch ein executive in residence, also ein Senior-Unternehmer oder eine Senior-Unternehmerin, zur Seite stehen, um den Bezug zur unternehmerischen Praxis sicherzustellen.
Bestehende Entrepreneurship-Aktivitäten bündeln
Das Projektteam wird innerhalb der nächsten drei Jahre alle Aktivitäten der verschiedenen regionalen Akteure sichten und aufeinander abstimmen. Das Ziel: keine Doppelarbeiten mehr, Angebote sinnvoll ergänzen. „Wir wollen Strukturen schaffen, die es uns ermöglichen, gemeinsam zu agieren“, erklärt Alexander Nicolai. „Also werden wir zum Beispiel in Roundtable-Gesprächen, bei denen alle Gründungsförderer der Region an einem Tisch sitzen, alle Ziele und Pläne aufeinander abstimmen. Dann wird es einen gemeinsamen Veranstaltungskalender, einen gemeinsamen Webauftritt und gemeinsame Veranstaltungen geben.“
Ein ehrgeiziges Ziel angesichts der Vielzahl der Akteure. Zu ihnen gehören neben den drei Hochschulen auch das Technologie- und Gründungszentrum in Oldenburg, das GründerInnen Zentrum in Emden, das Biotechnologie Zentrum in Wilhelmshaven, die Industrie- und Handelskammer, die Transferstellen der Hochschulen, der Verein RIS Regionale Innovationsstrategie, die Business Angels Weser Ems, die kommunalen Wirtschaftsförderungen, die Existenzgründungsagentur für Frauen EfA und das regionale Bündnis für den Strukturwandel. Dennoch ist Alexander Nicolai guten Mutes. Man könne hier auf reichlich Erfahrung in der Zusammenarbeit mit den anderen beiden Hochschulen zurückgreifen. Das die so gut funktioniere, sei keinesfalls selbstverständlich in der bundesweiten Hochschullandschaft.
Erfahrungs- und Forschungswissen zusammentragen
„Man muss das Rad nicht immer wieder neu erfinden“, sagt Alexander Nicolai. „Es gibt mittlerweile ungeheuer viele verschiedene Erfahrungen und Forschungsergebnisse zum Thema Entrepreneurship. Sei es zu den verschiedenen Möglichkeiten, Gründerinnen und Gründer zu unterstützen über die Methoden in der Ausbildung bis hin zu den vielseitigen Erfahrungen bei universitären Ausgründungen“. Diesen nationalen und internationalen Erfahrungsschatz wollen die Oldenburger heben. Erfolgreiche Wege der Gründungsförderung will man übernehmen. Geplant ist zudem, ein möglichst großes Spektrum an Gründungswissen systematisch zu erfassen und allen interessierten Professoren/innen, Absolventen/innen und Studierenden zur Verfügung zu stellen. Sie sollen von den Oldenburger Erkenntnissen profitieren.
Der Anfang ist gemacht: Mit der Bauhaus Universität Weimar und der Friedrich Schiller Universität Jena besteht bereits eine Lernpartnerschaft. Darüber hinaus gibt es internationale Kontakte zum Beispiel mit der Hochschule in Groningen und dem S.P. Jain Institute of Management and Research (SPJIMR) in Mumbai (Bombay).
Regionale Gesamtstrategie entwickeln
Schließlich will das EXIST III-Projektteam innerhalb der nächsten drei Jahre eine regionale Gesamtstrategie für die Gründungsbetreuung entwickeln und umsetzen. „Wir brauchen gewissermaßen einen Businessplan, der uns sagt, wo wir stehen und wohin wir wollen“, sagt Alexander Nicolai. „Also: Wo gibt es zu viele Angebote? Wo gibt es zu wenige? Wie wird sich der Markt entwickeln? Welche Branchen müssen wir folglich bedienen? Zu welchen Schwerpunkten sollten wir Branchencluster bilden? Welche Gründungen gibt es hier in der Region überhaupt? Welche Erfolgsbeispiele gibt es?“
Antworten auf diese und viele weitere Fragen sind gefordert. Keine leichte Aufgabe. „Wir schaffen das“, lacht Alexander Nicolai. „Sie wissen doch sicher, was man über den Oldenburger sagt: gutmütig mit einem ausgezeichneten Charakter, mutig und vernünftig. Ein ausgezeichnetes Sportpferd mit großen internationalen Erfolgen. Stimmt. Und die Menschen hier sind mindestens genau so erfolgreich“.